Wichtigen Beitrag zur Diskussion um Amokläufe im Internet entdeckt

Vor ein paar Tagen habe ich im Internet zufällig einen Leserbrief an die Redaktion der Computerspiele-Zeitschrift „Maniac! Games“ entdeckt.
Hier ist er: mein-verhinderter-amoklauf.pdf
(Ich habe ihn selbst hochgeladen, als ich gemerkt habe, dass die URL geändert wurde. Nun findet man ihn hier: http://www.maniac.de/amoklauf?page=1.)

An alle, die diesen Link hier sehen: Bitte lest euch den Brief durch! Er hilft wirklich das Thema Amokläufe besser zu verstehen und ist ein wichtiger Beitrag zu der ganzen Diskussion.

In dem Leserbrief beschreibt ein Mann, dass er selbst einmal fast Amok gelaufen wäre, weil er jahrelangen Terror durch Mitschüler ertragen musste – einfach, weil er anders war als sie.

Ich war, als ich eingeschult wurde, sehr lern- und wissbegierig, in den ersten Jahren mit der Klassenbeste und las bereits Bücher, als die meisten anderen gerade erst mit dem ABC fertig waren. Ich war ein sehr ruhiges Kind – relativ unauffällig, friedlich und freundlich. Mit anderen Worten: Ich war anders als die meisten anderen. Zudem auch nicht besonders sportlich und körperlich schwächer als der Rest.

Ja, das war alles! Das reichte schon, um gemobbt zu werden! Ach, was schreibe ich – das, was diesem Jungen damals widerfahren ist, kann man nur als Terror übelster Sorte bezeichnen!

Am Tiefpunkt wollte der inzwischen Jugendliche diejenigen, die ihn jahrelang gequält haben, erschießen. Doch der Waffenschrank seines Vaters war an diesem Tag verschlossen.
Nach seinem Realschulabschluss zog er weg, nach Hamburg, wo er ein neues Leben anfing. Und glücklich wurde.

Zu der Diskussion um Spiele, in denen Gewalt vorkommt, schreibt er:

Wenn ich heutzutage lese, dass ‚Killerspiele‘ Menschen zu Monstern mutieren lassen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln über so viel Ahnungslosigkeit und Dummheit. Menschen machen aus Menschen Killer, nicht Spiele – egal ob gewaltverherrlichend oder nicht. Auch ich zocke heute „Resident Evil“, „Silent Hill“ und freue mich tierisch auf „Mad World“. Allerdings haben mich solche Spiele nie aggressiv gemacht und werden es auch nie tun. Es sind Spiele. Nicht mehr, nicht weniger. Man wird nicht zum Amokläufer, weil man Killerspiele spielt, man spielt diese, um sich abzureagieren. Ein Ventil, nichts weiter.

Oder, mit meiner eigenen Formulierung, „eine klassische Verwechslung von Ursache und Wirkung“.
An anderer Stelle schreibt er in Erinnerung an den Terror in seiner Jugend, dass Videospiele sein „täglicher Begleiter“ geworden seien. „Ich brauchte diese, um mich abzureagieren“, erklärt er. „Ego-Shooter waren nie mein Ding, aber Prügelspiele, Horrorspiele, Rollenspiele. Ich flüchtete mich in Phantasiewelten, um nicht wahnsinnig zu werden.“

Ein paar Leserreaktionen auf den Brief vermuteten, er könne eine Fälschung sein. Ich halte ihn für echt. Und ich finde es absolut bewundernswert, dass dieser Mann heute so offen mit seinen Erlebnissen umgehen kann.

Eine Antwort zu Wichtigen Beitrag zur Diskussion um Amokläufe im Internet entdeckt

  1. Yuki sagt:

    Den Artikel habe ich gestern Abend schon gelesen, komme aber jetzt erst dazu etwas zu schreiben.

    Was dieser Mann erlebt hat ist hart – obwohl es dafür eigentlich keinen passenden Ausdruck gibt. Und ich kann seine Reaktion absolut nachvollziehen! Die jenigen, die gerne die Schuld für Amokläufe auf Computerspiele abschieben, waren (meist) selbst nicht in so einer Situation und ich denke, sie können daher gar nicht beurteilen wie sich solche Menschen fühlen – was nicht heißen soll, dass ich Amokläufe als gut befinde, sicher nicht!

    Ich wurde auch gemobbt, nicht so extrem wie dieser Mann es hinter sich hat, aber auch ich kam irgendwann an den Punkt wo ich dachte: Ich will sie am liebsten grün und blau prügeln. Es hat damit geendet, dass ich meinen Atlas nahm um ihn einen der Kerle über den Kopf zu ziehen. Ich wusste mir nicht anders zu helfen.

    Davon ausgehend, dass keine organischen Störungen im Gehirn vorliegen, bin ich der meinung, dass jemand der eigentlich schüchtern und zurückgezogen ist, niemand einfach so umbringt und schon gar nicht wegen eines Computerspiels.

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