Nachrichten: Dominik Brunner, Nino Haase

An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei sehr unterschiedliche Nachrichten eingehen.

Zum einen ist heute das Urteil im Prozess um den Tod des Dominik Brunner gefallen. Brunner ist vor fast genau einem Jahr (am 12. September 2009) auf einem Münchner S-Bahnhof im Zuge einer Schlägerei mit zwei jungen Männern gestorben, als er vier Jugendlichen helfen wollte, die von den beiden Männern bedroht worden waren.

Hier ein Artikel auf BR-online:
„Tödliche Attacke am S-Bahnhof Solln: Hohe Strafe für die Angeklagten“

Ich finde das Urteil von neun Jahren für den älteren Angeklagten und sieben Jahren für den jüngeren, bereuenden angemessen. Außerdem bin ich gerade über diesen Teil der Urteilsbegründung sehr froh:

Das Gericht begründete das Urteil unter anderem damit, dass die Angeklagten sich während der S-Bahnfahrt laut über die Möglichkeit unterhalten hätten, vier Schüler auszurauben. Brunner hätte die Angeklagten deshalb angesprochen und gesagt, sie sollten die Schüler in Ruhe lassen. Die Angeklagten, so das Gericht, hätten sich jedoch stark gefühlt und seien es nicht gewohnt gewesen, dass ihnen jemand widersprach. Sie hätten Dominik Brunner beleidigt und keine Anstalten gemacht, sich von ihrem Plan abhalten zu lassen.

Dominik Brunner hätte befürchtet, dass am Bahnhof Solln der angekündigte Angriff stattfinden werde. Der Manager hätte sich vorbereitet und eine Boxhaltung eingenommen. Die Angeklagten seien auf Brunner und die vier Schüler mit Grinsen und provozierenden Sprüchen zugegangen. „Dominik Brunner handelte klar in Notwehr“, so die Staatsanwaltschaft. Laut Staatsanwältin wären die Angeklagten in der Lage gewesen, an Brunner und den Jugendlichen vorbeizugehen.

Damit wird der Vorwurf, Brunner sei quasi für seinen Tod selbst mitverantwortlich, weil er offenbar zuerst zugeschlagen hat, hoffentlich verpuffen.

Außerdem bin ich froh, dass die unerkannte Herzerkrankung Brunners vom Gericht als rechtlich unerheblich eingeschätzt worden ist. Ich hätte es erschreckend gefunden, wenn sie als strafmildernd anerkannt worden wäre. Was wäre denn, wenn man über einen Menschen, der so viel Zivilcourage gezeigt hat wie Brunner, am Ende sagen würde: „Selber schuld, dass er tot ist – was hat er sich auch eingemischt?“ Das wäre eine fatale Entmutigung, Zivilcourage zu zeigen, und gleichzeitig eine Beleidigung für jeden mutigen Menschen.
Ich finde es ohnehin sehr traurig, dass offenbar so viele Menschen auf diesem S-Bahnhof waren und keiner eingegriffen hat. Aber das ist ja offenbar leider ein Phänomen, das Psychologen generell beobachten: Je mehr Menschen am Ort eines Verbrechens sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige von ihnen helfen, statt wegzusehen.

Bei der zweiten Meldung habe ich zuerst gezögert, ob ich sie nach meinem Beitrag über Dominik Brunner überhaupt erwähnen soll. Doch sie setzt vielleicht so etwas wie einen positiven Gegenakzent:

Der Mainzer Chemiedoktorand Nino Haase, der vor eineinhalb Jahren in der Unterhaltungsshow „Schlag den Raab“ drei Millionen Euro gewonnen hat, ist auf dem Teppich geblieben und verfolgt weiterhin sein Dissertationsprojekt über Halbleiter. Ein Luxusleben ohne Arbeit kann er sich nicht vorstellen.

Eine dpa-Meldung bei der „Augsburger Allgemeinen“:
„‚Schlag den Raab‘-Gewinner: Was tun mit drei Millionen?“

Diese Meldung sticht meiner Meinung nach wohltuend aus all dem Unsinn heraus, der über sogenannte „It-Girls“ wie Paris Hilton, Daniela Katzenberger oder andere B-Promis geschrieben wird. Ein sehr sympathischer junger Mann.

3 Antworten zu Nachrichten: Dominik Brunner, Nino Haase

  1. ebook leser sagt:

    Ich finde das relativ hohe Strafmass für richtig und auch als Signal wichtig. Wer einen anderen Menschen totschlägt hat das verdient. Auch, wenn dieses Urteil sicher nicht abschrecken wird, so wird es den ein oder anderen vor einem Schlag überlegen lassen.

    • Jary sagt:

      Ich denke nicht, dass ein gewaltbereiter Mensch im Moment seiner Aggression schon über das mögliche Strafmaß nachdenkt. Würde er in diesem Augenblick so reflektiert überlegen, würde er meiner Meinung nach vielleicht wirklich vor einer Straftat zurückschrecken.

      Das Urteil ist aus meiner Sicht vor allem ein gesellschaftspolitisch wichtiges Signal, das die Zivilcourage Dominik Brunners würdigt – auch wenn das Gericht dies nicht explizit herausstellt – und aussagt, dass unsere Gerichte bei Gewalttätern nicht wegsehen, sondern sie einer angemessenen Strafe zuführen.

      Ich finde es übrigens auch sehr positiv, dass in der Diskussion um die U-Bahn-Schlägerei am S-Bahnhof Solln das Opfer und der Mut, den es bewiesen hat, im Mittelpunkt standen und nicht die Täter.

  2. theomix sagt:

    Wirklich, eine überraschende kombination zweier nachrichten. Bei beiden namen hat sich in unterschiedlicher weise ein mensch positiv verhalten. Der eine mit sehr traurigen, weil tödlichen folgen. Der andere durch überraschendes verhalten.
    Find ich nachdenkenswert.

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