Baudelaires böse Blumen

Vor ein paar Tagen habe ich mir „Les fleurs du mal“ (dt. „Die Blumen des Bösen“) von Charles Baudelaire gekauft. Ich hatte schon länger vor, die Gedichte einmal auf Französisch zu lesen. Gerade bei Poesie finde ich es besonders schade, wenn man sie nicht in der Sprache verstehen kann, in der sie geschrieben ist. Außerdem bemühe ich mich schon das ganze Jahr darum, mein Französisch ein wenig zu verbessern. Das Vokabular in „Les fleurs du mal“ ist vielleicht etwas speziell – im realen Leben dürfte man kaum einmal die Gelegenheit haben, jemandem so etwas wie „Dans nos cerveaux ribote un peuple de Démons“ zu sagen -, aber wer liest Gedichte schon zum bloßen praktischen Nutzen? Jedenfalls nicht ich.

Mein Vorsatz fürs neue Jahr: Jeden Tag (mindestens) ein Gedicht lesen.

Natürlich „zählt“ dafür nicht nur Baudelaire oder Französischsprachiges. Aber um den Theaterdirektor Serlo aus Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ (5. Buch, 1. Kapitel) zu zitieren:

„Man sollte“, sagte er, „alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“
— Quelle: http://gutenberg.spiegel.de/buch/3669/66

Das mit dem Gemälde dürfte für einen Menschen wie mich, der sich nie in besonderer Weise für Malerei interessiert hat, etwas zu hoch gegriffen sein, das mit den Worten lässt sich wohl nicht von außen beeinflussen und Musik ist heutzutage sowieso allgegenwärtig. Aber es würde sich vielleicht mal lohnen, es mit den Gedichten zu versuchen. Selbst wenn ich es selbst für unwahrscheinlich halte, auch nur mit den „Fleurs du mal“ durchzukommen. Mit irgendetwas muss man schließlich mal anfangen, und ein Buch, das nach Meinung von Kritikern einige der schönsten Gedichte der französischen Sprache enthält, ist sicher nicht die schlechteste Wahl.

Zu meiner „Vorgehensweise“ bei Baudelaires bösen Blumen:

  • (mindestens) ein Gedicht pro Tag
  • erstes Lesen (stumm): Vokabelklärung, Verständnis
  • Lesen des kurzen Kommentars im Anhang meiner Ausgabe
  • zweites und weiteres Lesen (laut): Flüssigkeit, Aussprache, Betonung, Verständnis

Erklärung:
Es scheint mir leichter zu fallen, ein Gedicht zu verstehen, wenn ich es laut vorlese – einmal davon abgesehen, dass ich finde, Gedichte sind ohnehin zum Vorgetragen-Werden da. Gedichte sind für mich sozusagen Lieder ohne Noten. Mit dieser Methode werde ich sehr wahrscheinlich kaum durch die ganzen „Fleurs du mal“ kommen, aber wenn ich am Ende halbwegs flüssig auf Französisch vom Blatt lesen könnte, wäre ja schon viel gewonnen. Außerdem hoffe ich, dass sich so meine französische Aussprache vielleicht etwas verbessert.

In diesem Sinne: Alles Gute für 2012!

4 Antworten zu Baudelaires böse Blumen

  1. Alex sagt:

    Sehr ambitioniert! Ich wünsche gutes Gelingen!🙂

      • Alex sagt:

        Vergessen zu fragen: Wie läuft’s? Ist ja schon wieder der 15. Januar. Da müsstest du ja schon 15 Gedichte gelesen haben.

      • Jary sagt:

        Danke der Nachfrage! Eine Ausgabe der „Fleurs du Mal“ habe ich mir am 28. Dezember 2011 gekauft; außerdem lese ich an manchen Tagen zwei Gedichte. Deshalb war heute das 25. Gedicht („Tu mettrais l’univers…“) an der Reihe. Bisher funktioniert es also.😉

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: