A Sign of Tolerance – Ein Zeichen von Toleranz

(deutsche Version: siehe unten)

I must admit that I have been and still are quite sceptical about Pope Francis, because – well, because he loves the camera and the camera loves him. He’s just acting too well with the media. But now – this sign of tolerance:

“If someone is gay and he searches for the Lord and has good will, who am I to judge?”
(On Gay Priests, Pope Francis Asks, ‚Who Am I to Judge‘?, New York Times, 29.07.2013) 

Yes, the Catholic Church is still far from accepting homosexuals for who they are. Yes, Francis is against gay marriage and adoption rights for gay or lesbian couples; he does consider homosexual action as a sin, as being against God’s will. But nonetheless – his „Who am I to judge?“ is resonating within my liberal heart (yes, I’m an ideologist, I don’t deny it). Perhaps I’m over-interpreting, but I interpret his statement that way: Francis accepts homosexuality as being „just there“, not something people can choose to be. People are either born this way, or they aren’t. Therefore, homosexuality is nothing people can be „cured of“.* Hence, it would be unmerciful to condemn homosexual people, because it’s not their „fault“ that they are homosexual. If someone who is gay seeks God, wants to become a priest and, as such, lead a celibate life, he may.

That’s more than any pope publicly conceded to homosexual people ever before. It’s a sign of tolerance. It shines. And it makes me, as a Christian, a liberal and (being a liberal) an advocate of tolerance in the Enlightenment sense of the word – happy. This is the first time I didn’t have to be enraged when hearing a pope’s words on such an issue. Thank you, Francis!


* Following pure logics, the next thought would be: „If you can’t choose your sexual orientation, it must be God who made you gay/ lesbian or straight. Consequently, homosexuality cannot be against God’s will and therefore should be accepted by the Church.“ But that’s probably asking too much…

chodowiecki_aufklärung

Daniel Nikolaus Chodowiecki: Aufklärung, 1791 (Ausschnitt mit Kirche)

(English version: see above)

Ich muss gestehen, dass ich ziemlich skeptisch gegenüber Papst Franziskus war und immer noch bin, weil – ja, weil er die Kamera liebt und die Kamera ihn liebt. Er geht einfach zu gut mit den Medien um. Aber nun – dieses Zeichen der Toleranz:

„Wenn jemand schwul ist und Gott sucht und guten Willens ist – wer bin ich, darüber zu urteilen?“
(On Gay Priests, Pope Francis Asks, ‚Who Am I to Judge‘?, New York Times, 29.07.2013)

Ja, die katholische Kirche ist immer noch weit davon entfernt, Homosexuelle dafür zu akzeptieren, was sie sind. Ja, Franziskus ist gegen die Homo-Ehe und Adoptionsrechte für schwule oder lesbische Paare; er betrachtet homosexuelle Handlungen als Sünde, als etwas, das gegen den Willen Gottes ist. Und dennoch – sein „Wer bin ich, darüber zu urteilen?“ klingt in meinem liberalen Herzen nach (ja, ich bin ideologisch, ich streite es gar nicht ab). Vielleicht überinterpretiere ich ihn da, aber ich interpretiere seine Äußerung so: Franziskus akzeptiert Homosexualität als etwas, das „einfach da“ ist, nicht als etwas, bei dem Menschen darüber entscheiden können, ob sie es sein wollen. Menschen werden entweder so geboren oder eben nicht. Also ist Homosexualität auch nichts, wovon Menschen „geheilt“ werden könnten.* Deshalb wäre es unbarmherzig, homosexuelle Menschen zu verdammen, weil es nicht ihre „Schuld“ ist, dass sie homosexuell sind. Wenn jemand, der schwul ist, Gott sucht, Priester werden möchte und als solcher ein enthaltsames Leben führen möchte, dann darf er das.

Das ist mehr, als irgendein Papst homosexuellen Menschen je öffentlich zugestanden hat. Es ist ein Zeichen von Toleranz. Es leuchtet. Und es macht mich als Christin, als Liberale und als liberale Verfechterin von Toleranz im Sinne der Aufkärung – glücklich. Das ist das erste Mal, dass ich mich nicht aufregen musste, als ich die Worte eines Papstes zu so einem Thema gehört habe. Danke, Franziskus!


* Rein logisch betrachtet müsste der nächste Gedanke sein: „Wenn man seine sexuelle Orientierung nicht wählen kann, muss es Gott sein, der einen als schwul/ lesbisch oder hetero geschaffen hat. Folglich kann Homosexualität nicht gegen den Willen Gottes sein und sollte deshalb von der Kirche akzeptiert werden.“ Aber das ist dann wahrscheinlich doch zu viel verlangt…

2 Antworten zu A Sign of Tolerance – Ein Zeichen von Toleranz

  1. Yve sagt:

    Ich bin, wie du weißt nicht gläubig, aber verfolge trotzdem ganz grob, was dort im Vatikan passiert. Vielleicht liegt es an meiner Erdkundlerseele und die Probleme der 3. Welt, die durch Nicht-Verhütung entstehen.
    Den Schritt nach vorne finde ich sehr mutig, denn er wird auch viel Kritik dafür einstecken müssen. Besonders von den Älteren. Ich weiß, dass es auch in unserer Generation noch genug Intoleranz gegenüber Homosexualität gibt. Leider. Ich hoffe, dass man ihm nicht einen „Maulkorb“ verpasst und er weiter in diese Richtung gehen kann.

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