Gaucks erste Rede als Bundespräsident

23. März 2012

Von http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823277,00.html:

Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit. […] Umgekehrt ist das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für die Bewahrung der Freiheit.

Wie schön, das aus seinem Mund zu hören!
Und liberal ist… Gauck!

Und speziell zu den rechtsextremen Verächtern unserer Demokratie sagen wir in aller Deutlichkeit: Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich. Wir schenken euch auch nicht unsere Angst. Ihr werdet Vergangenheit sein und unsere Demokratie wird leben.
Die Extremisten anderer politischen Richtungen werden unserer Entschlossenheit in gleicher Weise begegnen. Und auch denjenigen, die unter dem Deckmantel der Religion Fanatismus und Terror ins Land tragen, und die hinter die europäische Aufklärung zurückfallen, werden wir Einhalt gebieten. Ihnen sagen wir: Die Völker ziehen in die Richtung der Freiheit. Ihr werdet ihren Zug vielleicht behindern, aber endgültig aufhalten könnt ihr ihn nicht.

Herr Bundespräsident, Sie sprechen mir aus der Seele!
Nur in einem schöneren, elegant schlichten Stil, der klar und deutlich sagt, was Sie meinen.
So möchte ich auch schreiben – und reden – können.
Ich werde mir Ihren Stil zum Vorbild für meine Seminararbeiten nehmen. (Zumindest für die deutschen. Bei meinen englischsprachig verfassten Essays habe ich zweimal den Kommentar bekommen, sie seien „elegantly written and presentend“. Nur auf Deutsch neige ich leider zum Verschwurbelt-Schreiben mit besonders komplexen Satzkonstruktionen.)

Ach… war da nicht mal was mit „ein Bundespräsident soll Vorbild sein“?
Ist er schon. Nach dieser Rede auf jeden Fall.


Zu Guttenbergs Rücktritt

1. März 2011

Heute hat Karl-Theodor zu Guttenberg endlich die Konsequenzen daraus gezogen, dass die Plagiate in seiner Dissertation aufgeflogen sind, und ist vom Amt des Verteidigungsministers zurückgetreten. Hier ein Artikel der ZEIT zum Thema (inklusive eines Videos von seiner Rücktrittserklärung):

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-03/guttenberg-ruecktritt-doktorarbeit

Übrigens eine argumentativ sehr gute und stichhaltige Begründung, dass die Fokussierung der Medien und der Öffentlichkeit auf ihn und seine Doktorarbeit die Aufmerksamkeit von eigentlich viel bedeutenderen Vorgängen wie den Revolutionsbewegungen in Nordarfrika, der Bundeswehrreform oder im Dienst verstorbenen Soldaten ablenken.

Noch einige Anmerkungen, damit ihr meine Position in dieser Angelegenheit vielleicht besser einordnen könnt:

Guttenberg hat etwas sehr Richtiges getan, als er damals (endlich) anfing, die Terminologie „Krieg“ in Bezug auf den Afghanistan-Einsatz zu verwenden. Ich habe auch nicht vergessen, dass er bei der „Opel-Rettung“ als neuer Wirtschaftsminister der einzige in der Bundesregierung war, der sich wirklich kritisch geäußert hat (siehe meinen Blog-Beitrag dazu). Außerdem war es mir sehr sympathisch, wie er beim Nockherberg 2009 über sich selbst lachen konnte (auch hierzu habe ich einen Blog-Beitrag geschrieben). Deshalb war meine eigene Meinung ihm gegenüber bisher auch verhalten positiv, obwohl ich a) nicht gerade CSU-Sympathisantin bin und b) im Allgemeinen auch nicht gerade Sympathisantin von „Adeligen“ bin.

Das hat sich dann schlagartig geändert, als ich von der zusammenkopierten Doktorarbeit erfahren habe. Sich durch diese Form von „wissenschaftlichem“ Arbeiten einen akademischen Grad zu „erschleichen“ – so etwas geht einfach nicht. Guttenbergs „Salamitaktik“ im Umgang mit dem Thema – und übrigens auch die Beiträge, mit denen ihn Parteifreunde vor dem Sturz über diese Angelegenheit bewahren wollten – haben dem Wissenschaftsstandort Deutschland geschadet. Deshalb war es ein guter und richtiger Schritt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg nun zurückgetreten ist.


Guttenberg – Alles nur geklaut?

23. Februar 2011

Professoren und Dozenten der LMU haben einen Offenen Brief an den bayerischen Wissenschaftsminister Heubisch geschrieben, in dem sie sich dafür einsetzen, dass durch die „Causa Guttenberg“ nicht der Eindruck entsteht, als sei das „Vergessen“ von Zitatbelegen bzw. von Belegen paraphrasierten Textes im Wissenschaftsbetrieb auch nur irgendwie akzeptiert:

http://www.muenchenblogger.de/uni/guttenberg-offener-brief-von-lmu-professoren-kein-kavaliersdelikt-wie-falschparken

Als Studentin, die ja auch schon seit dem ersten Semester weiß, dass man Zitate und paraphrasierten Text auf jeden Fall belegen muss, sehe ich das ganz genauso.

Humoristisch beschäftigt sich mit dem Thema u.a. Radio ffn, das den Song „Alles nur geklaut“ von den Prinzen zu einem „Guttenberg-Song zur Doktorarbeit“ umgedichtet hat:

Die Uni Bayreuth hat Guttenberg den Doktortitel übrigens mittlerweile aberkannt.

Ergänzung:
Wenn ihr auch der Meinung seid, dass Guttenbergs Plagiieren inakzeptabel war, könnt ihr euch (auch als Nicht-Doktoranden) als „Unterstützer“ des Offenen Briefs von Doktoranden an die Bundeskanzlerin eintragen:
http://offenerbrief.posterous.com/


Nachrichten: Dominik Brunner, Nino Haase

6. September 2010

An dieser Stelle möchte ich kurz auf zwei sehr unterschiedliche Nachrichten eingehen.

Zum einen ist heute das Urteil im Prozess um den Tod des Dominik Brunner gefallen. Brunner ist vor fast genau einem Jahr (am 12. September 2009) auf einem Münchner S-Bahnhof im Zuge einer Schlägerei mit zwei jungen Männern gestorben, als er vier Jugendlichen helfen wollte, die von den beiden Männern bedroht worden waren.

Hier ein Artikel auf BR-online:
„Tödliche Attacke am S-Bahnhof Solln: Hohe Strafe für die Angeklagten“

Ich finde das Urteil von neun Jahren für den älteren Angeklagten und sieben Jahren für den jüngeren, bereuenden angemessen. Außerdem bin ich gerade über diesen Teil der Urteilsbegründung sehr froh:

Das Gericht begründete das Urteil unter anderem damit, dass die Angeklagten sich während der S-Bahnfahrt laut über die Möglichkeit unterhalten hätten, vier Schüler auszurauben. Brunner hätte die Angeklagten deshalb angesprochen und gesagt, sie sollten die Schüler in Ruhe lassen. Die Angeklagten, so das Gericht, hätten sich jedoch stark gefühlt und seien es nicht gewohnt gewesen, dass ihnen jemand widersprach. Sie hätten Dominik Brunner beleidigt und keine Anstalten gemacht, sich von ihrem Plan abhalten zu lassen.

Dominik Brunner hätte befürchtet, dass am Bahnhof Solln der angekündigte Angriff stattfinden werde. Der Manager hätte sich vorbereitet und eine Boxhaltung eingenommen. Die Angeklagten seien auf Brunner und die vier Schüler mit Grinsen und provozierenden Sprüchen zugegangen. „Dominik Brunner handelte klar in Notwehr“, so die Staatsanwaltschaft. Laut Staatsanwältin wären die Angeklagten in der Lage gewesen, an Brunner und den Jugendlichen vorbeizugehen.

Damit wird der Vorwurf, Brunner sei quasi für seinen Tod selbst mitverantwortlich, weil er offenbar zuerst zugeschlagen hat, hoffentlich verpuffen.

Außerdem bin ich froh, dass die unerkannte Herzerkrankung Brunners vom Gericht als rechtlich unerheblich eingeschätzt worden ist. Ich hätte es erschreckend gefunden, wenn sie als strafmildernd anerkannt worden wäre. Was wäre denn, wenn man über einen Menschen, der so viel Zivilcourage gezeigt hat wie Brunner, am Ende sagen würde: „Selber schuld, dass er tot ist – was hat er sich auch eingemischt?“ Das wäre eine fatale Entmutigung, Zivilcourage zu zeigen, und gleichzeitig eine Beleidigung für jeden mutigen Menschen.
Ich finde es ohnehin sehr traurig, dass offenbar so viele Menschen auf diesem S-Bahnhof waren und keiner eingegriffen hat. Aber das ist ja offenbar leider ein Phänomen, das Psychologen generell beobachten: Je mehr Menschen am Ort eines Verbrechens sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige von ihnen helfen, statt wegzusehen.

Bei der zweiten Meldung habe ich zuerst gezögert, ob ich sie nach meinem Beitrag über Dominik Brunner überhaupt erwähnen soll. Doch sie setzt vielleicht so etwas wie einen positiven Gegenakzent:

Der Mainzer Chemiedoktorand Nino Haase, der vor eineinhalb Jahren in der Unterhaltungsshow „Schlag den Raab“ drei Millionen Euro gewonnen hat, ist auf dem Teppich geblieben und verfolgt weiterhin sein Dissertationsprojekt über Halbleiter. Ein Luxusleben ohne Arbeit kann er sich nicht vorstellen.

Eine dpa-Meldung bei der „Augsburger Allgemeinen“:
„‚Schlag den Raab‘-Gewinner: Was tun mit drei Millionen?“

Diese Meldung sticht meiner Meinung nach wohltuend aus all dem Unsinn heraus, der über sogenannte „It-Girls“ wie Paris Hilton, Daniela Katzenberger oder andere B-Promis geschrieben wird. Ein sehr sympathischer junger Mann.


In der NYT über die "Schweinegrippe"

8. Mai 2009

Eben habe ich einen Artikel aus der New York Times noch mal gelesen, der in der Ausgabe vom Montag, dem 5. Mai, erschien. Wie schon erwähnt, habe ich den NYT-Newsletter abonniert. Besagten Artikel „Worry? Relax? Buy Face Mask? Answers on Flu“ habe ich mir angeschaut, weil ich mir immer noch unsicher bin, welche Meinung ich zum Thema „Schweinegrippe“ haben soll. Immerhin verstand ich nach dem Lesen ein bisschen besser, wieso dieses Thema für solche Furore sorgt:

But it is a historical precedent that fuels must of the present concern. In the 1918 pandemic, the virus was relatively mild when it first appeared in the spring, but it came back with a vengeance in the fall. „That’s what has a lot of the experts frightened,“ Dr. Fishman [infectious-disease specialist at the University of Pennsylvania] said. „When it recurs, there’s the possibility it could be more virulent.“

Sprich, die Erfahrungen mit der Spanischen Grippe 1918 sind es, die zur Sorge Anlass geben. Der mutierte H1N1-Virus scheint diesen Frühling ja wirklich relativ mild zu sein. Der entsprechende Virus bei der Spanischen Grippe war ebenfalls im Frühjahr weniger virulent, forderte im Herbst aber Millionen von Todesopfern. Deshalb gibt es die Befürchtung, dass es sich mit dem „Schweinegrippe“-Virus ähnlich verhalten könnte. Zumal eine größere Grippeepidemie von Experten ja schon seit Jahren erwartet wird.

In dem Artikel wurde auch eine Expertin zitiert, Laurie Garrett, die eine mögliche Erklärung dafür gibt, dass an der „Schweinegrippe“ (ebenso wie an SARS oder damals an der Spanischen Grippe) mehr junge Menschen als Kinder oder Ältere gestorben sind: Sie vermutet eine zu starke Immunreaktion, bei der der ganze Körper verrückt spielt. Genauer gesagt, einen Zytokinsturm (anaphylaktischen Schock), bei dem der Körper große Mengen an entzündungsauslösenden Botenstoffen ausschüttet. Der betroffene Mensch ist dann in Gefahr, an Kreislaufversagen zu sterben.

Und ich weiß nun immer noch nicht, was ich von der „Schweinegrippe“ halten soll…


The New York Times and more

2. Mai 2009

This semester, I have taken a course in American Cultural Studies. It is recommended to read at least one American newspaper if you take that course. Therefore, I subscribed to the New York Times today. On www.nytimes.com, you can choose between various newsletters, of which I picked „Today’s Headlines“, „Politics“ and „Breaking News Alerts“.

Was die Frage des gestrigen Tages betrifft – also, ob die Nationalsozialisten den 1. Mai nicht nur wegen der Gewerkschaften, sondern auch wegen ihres Interesses an heidnischem Kult zum Feiertag erklärten -, bin ich leider noch nicht weitergekommen. Ich scheine kein Buch zu besitzen, in dem auf diese Frage eingegangen wird, und im Internet habe ich bisher auch nichts Brauchbares darüber gefunden. Vielleicht finde ich in der Universitätsbibliothek etwas, das mir weiterhilft.

Heute vor einem Jahr war die verheerende Flutkatastrophe nach dem Wirbelsturm Nargis in Myanmar/Burma, die noch dadurch verschlimmert wurde, dass das dortige Militärregime schnelle internationale Hilfe behinderte. Es wird wohl noch ein Jahr dauern, bis wieder Ernte auf den damals verwüsteten Feldern wächst…