The Picture of Dorian Gray

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Das Bildnis des Dorian Gray

Oscar Wilde

Klappentext (Ausgabe: Penguin Popular Classics):

When the exquisitely handsome Dorian Gray sees his portrait he dreams of remaining young forever while his painted image grows old and, in a sudden moment, he offers his soul in return for perpetual youth. While his beauty remains unblemished, the portrait begins to reflect the wildness and degradation of his soul as he surrenders to a worship of pleasure and infinite passion.

The Picture of Dorian Gray caused outrage when it was first published in 1890 and marked the onset of Oscar Wilde’s own fatal reputation and eventual downfall. An evocative portrayal of London life and a powerful blast against the hypocrisies of Victorian polite society it has become one of Oscar Wilde’s most celebrated works, full of the flamboyant wit for which he is justly renowned.

Inhalt:

Der 20-jährige, außerordentlich gutaussehende Dorian Gray sitzt dem Maler Basil Hallward Modell. Nachdem Hallward bereits einige Gemälde mit Dorian angefertigt hat, arbeitet er an einem Bild, das Dorian nicht in irgendeiner antiken Szenerie, sondern als sich selbst darstellt. Das Gemälde wird Hallwards Meisterwerk, doch er möchte es nicht ausstellen: in ihm zeige sich „zu viel von sich selbst“, wie er seinem Freund Lord Henry Wotton gesteht – nämlich, dass er in Dorian sein Ideal sieht und dass das Zusammentreffen mit dem unverdorbenen jungen Mann seine künstlerische Schaffenskraft beflügelt hat.

Lord Henry, ein zynischer Lebenskünstler, der über einen außerordentlichen Wortwitz verfügt, ist fasziniert: einerseits vom Geständnis des Malers, den er sonst für einen reichlich langweiligen Menschen hält, andererseits von dem jungen Mann, der gar nicht um die Wirkung seiner äußeren Erscheinung weiß. Aus einer Laune heraus – und im Wissen um seinen Einfluss- macht Lord Henry Dorian seine eigene Schönheit und deren Vergänglichkeit bewusst. Er führt ihn in seine Lebensphilosophie ein: Die Welt sei reif für einen „neuen Hedonismus“ – die Selbstentfaltung des Menschen ohne Einschränkung durch die Moral.

Unter dem Einfluss von Lord Henrys Gedanken spricht Dorian beim Anblick seines Bildnisses die fatalen Sätze: „How sad it is! I shall grow old, and horrible, and dreadful. But this picture will remain always young. It will never be older than this particular day of June. … If it were only the other way! If it were I who was to be always young, and the picture that was to grow old! For that – for that – I would give everything! Yes, there is nothing in the whole world I would not give! I would give my soul for that!“

Als Dorian seine erste große Liebe, die Schauspielerin Sybil Vane, verstößt – sie begeht in der Folge Selbstmord -, zeigen sich erste Veränderungen an dem Gemälde: Dorian fällt ein grausamer Zug um seine gemalten Mundwinkel auf. Hat sich sein leichtfertig ausgesprochener Wunsch erfüllt? Altert das Gemälde wirklich an seiner Stelle und zeigt sein gemaltes Gesicht die Sünden, die auf seiner Seele liegen?

Schon bald erhält Dorian Gewissheit darüber. Er verbannt sein Bildnis in eine unbenutzte Kammer, zu der nur er selbst den Schlüssel hat, und gibt sich einem Leben der Sinnenfreude hin. Statt Dorian wird das Gemälde alt und hässlich. Doch die Laster, die er begeht, und die Sünden, die er auf sich lädt – darunter sogar einen Mord -, lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Er lebt in ständiger Angst, jemand könne das Bild entdecken und hinter sein Geheimnis kommen. Seine Versuche, diese Furcht durch noch mehr Sinnenfreuden zu betäuben, scheitern letztlich. Verzweifelt versucht er, sich von dem äußeren Anzeichen seiner Sünden zu befreien: Er sticht auf das Gemälde ein.

Doch damit ersticht er sich selbst. Während das Gemälde wieder jung und schön ist wie ehedem, zeigt Dorian Grays toter Körper nun die Hässlichkeit und die Spuren des Alters, die er seinem Bildnis aufgebürdet hatte.

Meinung:

Als ich in der zehnten Klasse war, kaufte sich eine Freundin von mir in Frankreich eine Postkarte, die eine der berühmtesten Fotografien von Oscar Wilde zeigte:

Oscar Wilde

Oscar Wilde (1854-1900). Porträtfotografie von Napoleon Sarony (1821-1896).

Sie war etwas überrascht, dass ich Oscar Wilde kannte und „The Picture of Dorian Gray“ lesen wollte.
Nun ja, es hat auch noch ein paar Jahre gedauert, bis ich Wildes einzigen Roman dann tatsächlich gelesen habe.

Wie bei so vielen Klassikern, so kennt man auch bei „The Picture of Dorian Gray“ das Hauptthema und weiß, dass „es nicht gut ausgeht“. In diesem Fall war das für mich aber der Grund, weshalb ich den Roman unbedingt lesen wollte.

Wildes Roman spielt mit der „Faust“-Thematik: Auch bei Dorian Gray handelt es sich um einen Mann, der für ein irdisches Ziel seine Seele verkauft, und die Geschichte endet mit seinem Tod. Im Gegensatz zu „Faust“ tritt der Teufel in „The Picture of Dorian Gray“ allerdings nicht in Person auf – es sei denn, man betrachtet den vor Witz sprühenden Zyniker Lord Henry als eine Art modernen Mephisto. Und – Hand aufs Herz: Die Dialoge mit Lord Henry machen einen großen Teil des Reizes dieses Romans aus. (Ja, er ist meine Lieblingsfigur. Bei fiktionalen Gestalten habe ich meistens ein Faible für die „Bösen“, vor allem, wenn sie so witzig sind wie Harry. ;))

Darüber hinaus hat „The Picture of Dorian Gray“ eine erstaunliche Aktualität, wenn man an den heutigen Schönheitskult denkt: Wie Dorian versuchen viele Menschen, sich den Spuren ihres Alters zu entledigen und möglichst jung und schön auszusehen – einige davon, indem sie die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie beanspruchen.
Allerdings glaube ich nicht, dass jede Sünde und jedes Laster eines Menschen sich auch äußerlich zeigt. Denn nach der Logik des Romans müssten ja hässliche Menschen einen schlechten Charakter haben und schöne Menschen einen guten – wie im Märchen. Andererseits wird dieses parabolische Schwarz-Weiß-Denken durch die Figur des Dorian selbst, der trotz seiner Schlechtigkeit jung und schön bleibt, wieder aufgehoben.

Alles in allem ist „The Picture of Dorian Gray“ auf jeden Fall ein spannender und (dank Lord Henry) gleichzeitig witziger Roman, bei dem man gerne immer weiterliest – trotz eines kleinen Hängers in Kapitel 11 (ich beziehe mich auf die Ausgabe von 1891 mit 20 Kapiteln), in dem Dorians Leben der Sinnenfreuden und sein wechselndes Interesse für Parfüme, Musik, Juwelen, Stickereien, Wandteppiche oder kirchliche Gewänder beschrieben wird. Nach diesem „retardierenden Moment“ – um einen Begriff aus der Dramentheorie zu verwenden – gewinnt der Roman wieder an Tempo und steuert mit einigen Wendungen auf seinen fulminanten Schluss zu.

Originaltexte

Oscar Wilde ist nun schon seit 110 Jahren tot. Das Copyright für sein Werk ist erloschen; dies betrifft teilweise auch ältere deutsche Übersetzungen. Deshalb kann ich hier eine Zusammenstellung mit deutschen und englischen E-Texten und Hörbüchern verlinken:

Kostenlose E-Books (Englisch):

Kostenlose E-Books (Deutsch):

Kostenlose Hörbücher (Englisch)

Kostenloses Hörbuch (Deutsch)

Kostenlose Sekundärliteratur (Englisch):

3 Antworten zu The Picture of Dorian Gray

  1. […] Hier könnt ihr die ganze Rezension lesen. *klick* […]

  2. Davi sagt:

    Als ich das Buch gelesen habe (auf Deutsch), kannte ich zwar Oscar Wilde, dessen Leben ich sehr interessant finde, hatte aber bis dahin noch nie etwas von ihm gelesen ^^. Ich habe mir dann eine Buchversion des Anaconda Verlags angeschafft, auf deren Cover ein Gemälde des jungen Franz Liszt abgedruckt ist, das meine Vorstellung von Dorian nachhaltig geprägt hat😀.

    Noch mehr als bei anderen „vom Teufel verführte“ Personen war ich traurig, was aus Dorian am Ende geworden ist, wo er doch am Anfang als unschuldiger junger Mann geschildert wurde:/. Lord Henry mochte ich gar nicht, auch wenn er den typischen Dandy darstellt. Basil war mir da sympathischer ^^.

    • Jary sagt:

      Das ging mir ja ähnlich; allerdings hatte ich schon Verfilmungen von „The Importance of Being Earnest“ und „An Ideal Husband“ gesehen, die zu Wildes besten Gesellschaftskomödien zählen (meiner Meinung nach völlig zu Recht).😉

      Basil ist auch sehr sympathisch! Lord Henrys Sprüche machen ihn für mich zu einem witzigen und interessanten Charakter, aber Basil wäre definitiv der bessere Umgang für Dorian gewesen. Dorian selbst … nun ja: Am Anfang war er oberflächlich, am Ende ist er ein A***. Sonderlich sympathisch war er mir nie.

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